- Sonja Speck
- 14. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Silent inflammation ist eine messbare, niedriggradige Entzündungsaktivität im Blut.
Ein dauerhaft erhöhtes hs-CRP zeigt eine niedriggradige Entzündungsaktivität, die häufig gemeinsam mit Herz-Kreislauf-Risiken (Gefäßentzündung/Arteriosklerose), Störungen des Zuckerstoffwechsels und metabolischen Mustern wie Insulinresistenz und viszeralem Fett auftritt.
Ein erhöhter CRP zeigt aber nicht automatisch, woher diese Entzündung kommt. Genau deshalb ist der nächste Schritt immer Ursachenarbeit.
Typischerweise sehen wir mehrere mögliche „Feuerstellen“, die sich addieren können, zum Beispiel:
Darm und Barrierefunktion (Dysbiose, gestörte Barriere, Immunaktivierung)
Stoffwechsel und viszerales Fettgewebe (Übergewicht/Insulinmuster, entzündliche Botenstoffe aus Fettgewebe)
Schlaf und Stressphysiologie (Regeneration, Nervensystem, Entzündungsregulation)
Nährstoffmängel und Fettsäurebalance (unter anderem Omega-3 als Baustein für Entzündungsregulation; immer im Kontext des Gesamtbildes)
chronische Infektionen oder Entzündungsherde in anderen Bereichen
Und dann gibt es einen Bereich, der erstaunlich oft nicht auf dem Radar ist, obwohl er biologisch sehr relevant sein kann: der Mund.
Warum Mund und Zähne bei stiller Entzündung so wichtig sind
Der Mund ist eine daueraktive Immunfläche. Zahnfleisch und Schleimhäute sind täglich Kontaktfläche für Biofilm und Immunsystem. Wenn hier chronische Reizung entsteht, ist das kein „rein lokales“ Thema – der Körper muss diese Signale und Botenstoffe dauerhaft mitverarbeiten. Bei Zahnfleisch- und Zahnhalteapparat-Entzündungen sieht man in der Forschung immer wieder Zusammenhänge mit einem erhöhten CRP. Entsprechende Behandlungen senken oft nachweislich diesen Parameter.
Der Mund ist eng an Nerven- und Regulationssysteme gekoppelt. Zähne und Kiefer sind über den Trigeminus sehr direkt mit dem zentralen Nervensystem verbunden und gleichzeitig ans autonome Nervensystem (Sympathikus/Parasympathikus) angebunden. In der Regulationsmedizin ist das einer der Gründe, warum Reize im Mund nicht immer als typischer Zahnschmerz auftauchen müssen, sondern sich auch als allgemeiner Regulationsstress zeigen können.
Viele chronische Prozesse im Mund sind erstaunlich schmerzarm. Dass sie nicht weh tun ist leider kein zuverlässiges Kriterium dafür, dass auch keine Entündung vorliegt. Gerade deshalb lohnt sich der strukturierte Blick in den Mund, wenn Entzündungsmarker wiederholt erhöht sind oder das Entzündungsgrundrauschen trotz guter Basisarbeit bleibt.
Drei stille Entzündungsquellen im Mund
Zahnfleischentzündung und Parodontitis
Das beginnt oft unspektakulär: gelegentliches Zahnfleischbluten, empfindliche Stellen, Mundgeruch. Wenn daraus eine Entzündung des Zahnhalteapparats wird, entsteht eine chronische Entzündungsfläche um die Zähne herum. Für die funktionelle Medizin ist das relevant, weil diese Entzündung nicht „ab und zu“ aktiv ist, sondern täglich. Studien und Übersichten zeigen: Parodontalbehandlung kann Entzündungsmarker wie CRP im Verlauf senken.
Woran man das als Laie oft früh merkt:
Zahnfleischbluten beim Putzen oder bei Zahnseide
Mundgeruch oder unangenehmer Geschmack
empfindliche Zahnhälse, zurückgehendes Zahnfleisch
Zähne wirken „länger“, Zwischenräume verändern sich
„Tote“ Zähne und wurzelbehandelte Zähne:
Ein „toter“ oder wurzelbehandelter Zahn ist ein Zahn, dessen Nerv abgestorben ist. Das ist ein zentraler Punkt: Der körpereigene Alarm, der sonst bei Entzündung über Schmerz reagiert, funktioniert hier nicht mehr. Genau deshalb können Probleme an solchen Zähnen lange unauffällig bleiben.
Dazu kommt: Das Innere eines Zahns ist kein glattes Rohr, sondern ein komplexes Kanalsystem mit Verzweigungen. In solchen Strukturen können sich Mikroorganismen als Biofilm festsetzen. In einem Teil der Fälle werden dort neben Bakterien auch Pilze nachgewiesen (häufig Candida-Arten), insgesamt deutlich seltener als Bakterien, aber klinisch relevant – vor allem, wenn Entzündungen hartnäckig sind oder wiederkehren.
FDOK/NICO nach Zahnentfernung
Nach einer Zahnentfernung sollte sich die Stelle idealerweise wieder mit gesundem, gut durchblutetem Knochen aufbauen. In der biologischen Zahnmedizin wird FDOK/NICO als Veränderung im Kieferknochen beschrieben, die häufig nach Zahnentfernungen auftreten kann und vor Ort oft kaum Beschwerden macht. Wenn der Körper nach einer Entfernung nicht genügend „Baustoffe“ und gute Heilungsbedingungen hat (Protein, Mikronährstoffe, insgesamt Regenerationsfähigkeit), kann der Aufbau von stabilem Knochen unvollständig bleiben. Statt eines kräftigen Knochenmilieus kann sich ein dauerhaft gereiztes, entzündliches Gewebe entwickeln.
Warum man Zahn- oder Kieferentzündungen im normalen Röntgen nicht erkennt
Normale Röntgenaufnahmen sind zweidimensional. Das reicht für vieles aus, aber entzündliche Knochenveränderungen oder Entzündungen an Zahnwurzeln können übersehen werden. Die digitale Volumentomographie (DVT) ist eine 3D-Bildgebung, die Knochenstrukturen räumlich darstellt und in endodontischen und knöchernen Fragestellungen häufig sensitiver ist als klassische 2D-Aufnahmen. Das ist ein Grund, warum in der biologisch-funktionellen Abklärung bei passender Vorgeschichte und Befundlage oft DVT diskutiert wird.
Fazit:
Wenn Entzündungswerte erhöht sind, ist das ein ernstzunehmendes Körpersignal. Der Mund sollte dabei immer mitgedacht werden, weil er eine der wenigen Stellen ist, an der chronische Entzündung sehr lange ohne klassische Warnzeichen bestehen kann. Wer hier sauber hinschaut und Entzündungslast reduziert, hat oft einen entscheidenden Hebel, um das systemische Entzündungsgrundrauschen zu senken.
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