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Aktuelles zum Thema Funktionelle Medizin

Dein Muskel ist ein stoffwechselaktives Organ, es ist dein Jungbrunnen - Longevity
Dein Muskel ist ein Stoffwechselorgan

Gesundes Altern rückt immer mehr in den Fokus — und damit auch die Frage, welche Rolle unsere Muskulatur dabei spielt. Lange wurde Muskulatur fast ausschließlich mit Bewegung, Kraft und Ausdauer in Verbindung gebracht. Wer Muskeln hat, kann heben, laufen, Sport treiben. Wer keine hat, ist eben unsportlich.

Doch neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ein deutlich komplexeres Bild. Die Muskulatur wird heute klar als Stoffwechselorgan identifiziert — als aktives, hormonell wirksames Gewebe, das weit über Bewegung hinaus in nahezu alle Regulationsprozesse des Körpers eingreift. Und das Faszinierende daran: Wir wissen noch längst nicht alles darüber, welche Substanzen der Muskel bildet und welche Signale er in den Körper sendet. Die Forschung zu den sogenannten Myokinen — den Botenstoffen des Muskels — steckt in vielen Bereichen noch in den Anfängen.

Was wir aber bereits wissen, reicht aus, um unser Bild von Muskulatur grundlegend zu überdenken. Und damit auch unser Bild davon, wie viel Protein wir wirklich brauchen — und warum.


Der Muskel — das größte Stoffwechselorgan, das kaum jemand kennt

"Muskeln sind das größte Stoffwechselorgan des menschlichen Körpers." Das schrieb Bente K. Pedersen von der Universität Kopenhagen 2013 im Fachjournal Comprehensive Physiology. Kein Fitness-Blog. Kein Influencer. Eine der renommiertesten Muskelforscherinnen der Welt, in einer der angesehensten physiologischen Fachzeitschriften.

Muskeln machen beim Erwachsenen rund 30 bis 40 Prozent der Körpermasse aus. Sie sind damit nicht irgendein Organ — sie sind das volumenmäßig größte aktive Gewebe, das wir haben. Und sie leisten weit mehr, als Knochen zu bewegen.

Muskeln regulieren aktiv den Blutzuckerspiegel, indem sie Glukose direkt aufnehmen — teilweise unabhängig von Insulin. Menschen mit guter Muskelmasse haben einen stabileren Blutzucker, eine bessere Insulinsensitivität und ein nachweislich geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes. Das ist keine These. Das ist Physiologie.


Die Muskel-Apotheke: Was Myokine wirklich tun

Wenn Muskeln sich bewegen — und auch wenn sie schlicht gut ernährt und erhalten werden — produzieren sie Botenstoffe, sogenannte Myokine. Diese Zytokine wirken nicht nur lokal, sondern systemisch im ganzen Körper. Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln beschreibt es so: Die Signalstoffe des Muskels beeinflussen andere Organe, indem sie Fett verbrennen, die Durchblutung verbessern, die Leber entlasten und das Gehirn vor Demenz schützen.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei Interleukin-6 (IL-6). Es beeinflusst die Fettoxidation in der Muskulatur, steigert die Glukosefreisetzung in der Leber und hemmt gleichzeitig TNF-α — einen der wichtigsten Entzündungsfaktoren. Was passiert, wenn Muskeln über Jahre inaktiv sind und gleichzeitig schrumpfen? IL-6 und TNF-α häufen sich an, unkontrollierte Entzündungsmediatoren werden freigesetzt. Das erhöht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs — alles Erkrankungen, die mit chronischer Entzündung einhergehen. Das berichtete dieselbe dänische Forschergruppe bereits 2008 und 2010 in Physiological Reviews und im American Journal of Physiology.

Und dann ist da noch etwas, das mich besonders fasziniert: Krafttraining erneuert die Telomere. Diese Schutzkappen der Chromosomen verkürzen sich bei jeder Zellteilung — bis sie aufgebraucht sind und der programmierte Zelltod einsetzt. Forscher um Dr. Christian Werner vom Universitätsklinikum des Saarlandes konnten 2008 und 2009 im Journal of the American College of Cardiology und in Circulation nachweisen, dass regelmäßiges Training Telomer-stabilisierende Proteine wie die Telomerase aktiv stärkt. Der Muskel hält uns also auch auf zellulärer Ebene jung.


Was eine schwache Muskulatur wirklich bedeutet

2008 erschien im British Medical Journal eine prospektive Kohortenstudie von Forschern um Jonatan Ruiz vom Karolinska Institutet in Stockholm — eine der bekanntesten medizinischen Universitäten der Welt. Fast 8.800 Männer wurden knapp 20 Jahre lang beobachtet. Das Ergebnis war eindeutig: Eine schwache Muskulatur war mit deutlich erhöhter Sterblichkeit assoziiert. Höhere Muskelkraft schützte selbst übergewichtige Menschen aller Altersklassen vor tödlichen Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen.

Und Dr. Preethi Srikanthan von der University of California in Los Angeles stellte im American Journal of Medicine fest, dass im höheren Alter nicht der Body Mass Index die Lebenserwartung bestimmt — sondern die Körperkomposition. Also das Verhältnis von Muskelmasse zu Fettmasse.

Das war 2008 und 2014. Publiziert in den renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt.

Ich sage das, weil ich immer wieder gefragt werde, woher ich das habe. Ich hole in der Praxis meinen Taschenrechner raus, errechne einen Mindesteiweißbedarf von 1,3 Gramm pro Kilogramm — und werde manchmal angeschaut, als hätte ich etwas Exotisches gesagt. Dabei ist das keine Erfindung. Das ist Wissenschaft. Aus dem BMJ. Vom Karolinska Institut. Aus dem Jahr 2008.


Die 0,8-Gramm-Empfehlung: Woher sie kommt und warum sie nicht reicht

Der aktuelle Referenzwert der DGE liegt für Erwachsene zwischen 19 und 65 Jahren bei 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Diese Zahl basiert auf sogenannten Stickstoffbilanzstudien: Man misst, wie viel Stickstoff — der in Aminosäuren enthalten ist — der Körper aufnimmt und wieder ausscheidet. Ist die Bilanz ausgeglichen, gilt der Bedarf als gedeckt.

Das Problem liegt im Design dieser Studien. Sie wurden an kleinen Gruppen unter strengen Laborbedingungen durchgeführt, die mit dem Alltag wenig gemein haben. Die Stickstoffbilanz hängt außerdem nicht nur von der Proteinmenge ab, sondern von der gesamten Nahrungszufuhr. Und das entscheidende Detail: Das Ziel dieser Studien war bescheiden. Nicht Gesundheit, nicht Vitalität, nicht Gewebeerhalt. Nur kein offensichtlicher Mangel.

Neuere Methoden — insbesondere die IAAO-Methode, die die Aminosäurenverwertung direkt im Körper misst — kommen zu anderen Ergebnissen. Unter Ernährungswissenschaftlern gilt es inzwischen als weitgehender Konsens, dass der Referenzwert von 0,8 Gramm überholt ist (Phillips et al. 2016, Jäger et al. 2017). Und die Sorge, zu viel Protein schade den Nieren, wurde für gesunde Menschen wissenschaftlich widerlegt (Siener 2021).


Sarkopenie: Das stille Massenphänomen

Ab dem 40. Lebensjahr verliert der Körper ohne gezieltes Gegensteuern jedes Jahrzehnt rund acht Prozent seiner Muskelmasse. Ab dem 70. Lebensjahr beschleunigt sich dieser Prozess. Ältere Muskeln reagieren außerdem anders auf Protein als junge — Fachleute sprechen von "anaboler Resistenz": Der Körper braucht mehr Protein, um denselben Aufbaueffekt zu erzielen.

Sarkopenie ist kein Randphänomen. Sie ist ein stilles Massenphänomen, das in keiner Schlagzeile vorkommt — weil es schleichend passiert und weil "schwache Muskeln" kein dramatisches Krankheitsbild sind. Dabei erhöht Sarkopenie das Sturzrisiko, verschlechtert die Insulinsensitivität, begünstigt chronische Entzündung und ist ein eigenständiger Risikofaktor für Pflegebedürftigkeit und vorzeitigen Tod.

Ich sehe das in der Praxis. Nicht in Ausnahmefällen. Regelmäßig.

Die DGE erhöht den Referenzwert immerhin ab 65 Jahren auf 1,0 Gramm. Viele Ernährungs- und Alternswissenschaftler empfehlen jedoch bereits ab 60 mindestens 1,0 bis 1,2 Gramm — bei Sarkopenie oder Erkrankung deutlich mehr. Die 0,8-Gramm-Empfehlung gilt in Fachkreisen längst als Untergrenze, nicht als Zielwert.


Amerika hat reagiert — und die Reaktion ist verständlich

Die USA haben im Januar 2026 ihre Ernährungspyramide auf den Kopf gestellt. Mehr Protein, weniger Zucker, weniger raffinierte Kohlenhydrate. Über 53 Millionen US-amerikanische Erwachsene leben heute mit Diabetes — fast 16 Prozent der Bevölkerung. Der Handlungsdruck ist enorm.

Die DGE hat diese Empfehlungen als wenig transparent und evidenzbasiert kritisiert — und damit nicht ganz Unrecht. Der politische Prozess war fragwürdig: Renommierte Wissenschaftler wurden durch handverlesene Experten ersetzt, von denen einige finanzielle Verbindungen zur Fleisch- und Milchwirtschaft offenlegten. Das darf man kritisieren.

Aber dann darf man nicht gleichzeitig die Augen vor dem verschließen, was die Studienlage seit Jahren zeigt. Die Grundrichtung der US-Empfehlung — weniger Zucker, weniger verarbeitete Kohlenhydrate, mehr echtes Eiweiß — ist gut begründet. Und sie ist kein rein amerikanisches Problem.

Wer in Deutschland regelmäßig Blutbilder auswertet, sieht die Vorboten: Nüchterninsulinwerte im oberen Normbereich, Langzeitzucker der sich schleichend nach oben bewegt — und das nicht selten bei schlanken, äußerlich gesunden Menschen. Die Normwerte der Labore bilden dabei oft keine Gesundheit ab, sondern den Durchschnitt einer zunehmend erkrankten Bevölkerung. Die nächste Welle rollt auch hier an. Wir sehen sie bereits.


Protein ist kein Heiliger Gral — und Gemüse ist nicht verhandelbar

Wer jetzt denkt, die Lösung sei ein Steak zum Frühstück und Proteinpulver zum Abendessen, hat den Kern dieser Diskussion missverstanden.

Protein ist wichtig. Aber es ist kein Allheilmittel und kein Ersatz für eine vollständige Ernährung. Was der Körper gleichzeitig braucht, sind Ballaststoffe, Pflanzenfasern, sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralien — und das beste Vehikel dafür ist Gemüse.

Gemüse liefert Mikronährstoffe, Pflanzenfasern für das Mikrobiom, sekundäre Pflanzenstoffe die entzündungshemmend wirken, und Mineralstoffe die als Säurepuffer fungieren — gerade dann wichtig, wenn die Proteinzufuhr steigt. Wer mehr Protein isst und dabei kein Gemüse isst, verschiebt das Gleichgewicht in die falsche Richtung.

Und hier liegt das eigentliche Umdenken, das ich mir wünsche: Gemüse ist nicht die Beilage. Gemüse ist nicht das, womit man den Teller füllt, damit er bunt aussieht. Gemüse ist der nicht verhandelbare Bestandteil jeder Mahlzeit. Die Sättigung kommt vom Protein. Das Fundament kommt vom Gemüse.

Nicht Fleisch oder Fisch allein. Sondern beides — in Kombination, klug zusammengestellt, aus echten Lebensmitteln.


Was das in der Praxis bedeutet

Für gesunde Erwachsene unter 60 ist ein Zielwert von 1,2 bis 1,5 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht nach aktuellem Forschungsstand sinnvoll — nicht als starre Regel, sondern als Orientierung. Wer über 60 ist, sich in einer Regenerationsphase befindet oder chronisch krank ist, braucht tendenziell mehr. Am besten individuell abgestimmt.

Die Quellen: Eier, Hülsenfrüchte, Fisch, hochwertiges, nicht verarbeitetes Fleisch, Quark, Nüsse, Samen. Echtes Essen, das sättigt und aufbaut. Keine Pulver notwendig — aber ein bewusstes Hinschauen, was täglich tatsächlich ankommt.

Und an jeder Mahlzeit: Gemüse. Nicht als Option, sondern als Grundlage.



Fazit — und eine ehrliche Frage

Die Studien liegen seit fast zwanzig Jahren auf dem Tisch. Das BMJ. Die Pharmazeutische Zeitung. Das American Journal of Medicine. Bente Pedersen in Comprehensive Physiology. Karolinska Institutet.

Und trotzdem steht die DGE bei 0,8 Gramm.

Ich begegne täglich Menschen, die erschöpft sind, deren Muskelmasse abnimmt, deren Blutzuckerwerte schleichend steigen — und die jahrelang die Empfehlung bekommen haben, weniger Fett zu essen, weniger tierisches Eiweiß mehr "Sättigungsbeilage".

Es ist Zeit für ein Umdenken. Nicht weil Amerika die Pyramide umgedreht hat. Sondern weil die Wissenschaft es schon lange nahelegt — und weil wir in den Praxen sehen, was passiert, wenn wir nicht hinhören.


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Erschöpfung - Was dein Arzt dir nicht sagt
Erschöpfung - Was dein Arzt dir nicht sagt

Viele Frauen kommen mit demselben Satz in meine Praxis.

„Ich war beim Arzt. Die Werte sind normal. Aber ich bin so müde."

Manchmal sagen sie es fast entschuldigend. Als wäre Erschöpfung ohne Befund kein richtiges Problem.

Es ist eines.

Schlafprobleme die seit Monaten bestehen. Ein Gewicht das sich nicht bewegt, egal was sie tun. Reizbarkeit, für die sie sich schämen. Das Gefühl: irgendwas stimmt nicht — aber niemand findet es.

Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster. Und es hat einen Grund.


Warum „normal" nicht bedeutet „gut versorgt"

„Normal" ist nicht dasselbe wie „gut versorgt"

Das Standardblutbild ist ein wichtiges Werkzeug. Aber es beantwortet eine sehr spezifische Frage: Liegt eine ernsthafte Erkrankung vor?

Es beantwortet nicht: Warum hat diese Frau keine Energie?

Das sind zwei verschiedene Fragen. Und zwischen diesen Antworten leben viele Frauen — unauffällig im Labor, erschöpft im Alltag.

Wie ein Auto das anspringt — aber nie richtig auf Touren kommt.


Was im Standardblutbild oft fehlt

In meiner Praxis schaue ich Bereiche an, die im Standardblutbild entweder gar nicht gemessen werden — oder falsch bewertet werden.

Drei davon begegnen mir bei erschöpften Frauen immer wieder.

Der Eisenspeicher. Die Schilddrüsenhormone. Der B12-Status.

Alle drei können im Normbereich liegen — und trotzdem nicht ausreichen. Weil „Normbereich" und „optimal versorgt" zwei verschiedene Dinge sind.

Welcher dieser Bereiche bei dir das Problem ist — das ist individuell. Nicht jede Erschöpfung hat dieselbe Ursache.


Genau deshalb habe ich diesen Guide geschrieben.


Fünf konkrete Körpersignale, die zeigen wo dein Körper gerade kämpft. Was dahintersteckt. Und welche Fragen du als nächstes stellen solltest — beim Arzt.



Ich kenne das aus eigener Erfahrung

Ich war selbst jahrelang erschöpft. Kam morgens kaum aus dem Bett. Nach dem Mittag kompletter Energieeinbruch. Konnte mich kaum konzentrieren.

Und jedes Mal hieß es: alles normal.

Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, was wirklich los war. Heute arbeite ich als Heilpraktikerin — weil ich möchte, dass andere diesen Weg kürzer gehen.


Was das für dich bedeutet

Chronische Erschöpfung bei Frauen hat selten nur eine einzige Ursache. Es ist fast immer ein Zusammenspiel — Hormonstatus, Nährstoffversorgung, Schilddrüse, Stressachse.

Wer nur das kleine/große Blutbild betrachtet, findet oft nichts.


Erschöpfung ist kein Schicksal. Und sie ist keine Einbildung.

Dein Körper sendet Signale. Du kannst lernen, sie zu lesen.


→ Kostenloser Energie Guide:

Warum du erschöpft bist — obwohl deine Blutwerte normal sind





 
 
 
Schilddrüsenunterfunktion
Schilddrüsenunterfunktion

Deine Haare fallen aus — immer mehr, beim Kämmen, in der Dusche. Die Waage zeigt mehr an, obwohl du nichts verändert hast. Du bist müde auf eine Art, die kein Schlaf löst. Du frierst, wenn alle anderen die Heizung runterdrehen. Du denkst langsamer, vergisst Dinge, die du früher sofort parat hattest. Deine Stimmung schwankt ohne erkennbaren Grund. Du fühlst dich — irgendwie nicht mehr wie du selbst.

Du gehst zum Arzt. Dir wird Blut abgenommen. Das Ergebnis: alles normal. Der TSH-Wert ist unauffällig. "Mit Ihrer Schilddrüse ist alles in Ordnung."

Und trotzdem sitzt du dort und weißt: Da stimmt etwas nicht.

Ich glaube dir. Und ich möchte dir heute erklären, warum dieser eine Wert die ganze Geschichte nicht erzählt.


Was die Schilddrüse eigentlich macht

Stell dir deine Schilddrüse wie den Zündschlüssel deines Körpers vor. Ohne ihn läuft gar nichts. Jede einzelne Zelle in deinem Körper braucht das Signal der Schilddrüsenhormone, um überhaupt arbeiten zu können. Dein Herz, deine Leber, dein Darm, dein Gehirn — alle warten auf diesen Impuls.

Die Schilddrüse sitzt vorne am Hals, direkt unterhalb des Kehlkopfes, und hat bei Frauen ein Normalvolumen von etwa 12 bis 18 Milliliter. Sie produziert im Wesentlichen zwei Hormone: T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). T4 ist dabei die Vorstufe — eine Art Rohstoff, der erst in der Leber und im Darm in das eigentlich wirksame T3 umgewandelt wird. Rund 60 Prozent dieser Umwandlung findet in der Leber statt, weitere 20 Prozent im Magen-Darm-Trakt.

T3 ist das Hormon, das wirklich ankommt — an den Rezeptoren jeder einzelnen Zelle. Es aktiviert den Stoffwechsel, erzeugt Wärme, verbessert die Konzentration, unterstützt die Verdauung und hält die Adrenalinachse stabil. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird die Schilddrüse übrigens dem Yang des Körpers zugeordnet — dem Feuer, der Wärme, der Aktivität. Wer zu wenig T3 hat, dessen Yang erlischt langsam.


Warum der TSH-Wert alleine nicht ausreicht

Der TSH-Wert ist ein Botenstoff der Hirnanhangdrüse. Er sagt der Schilddrüse: "Mach mehr Hormone." Wenn der TSH erhöht ist, ruft das Gehirn laut um Hilfe. Wenn er niedrig ist, ist das Gehirn zufrieden. Soweit die Theorie.

Das Problem ist: Der TSH misst nur, was das Gehirn tut — nicht, was in deinen Zellen ankommt. Ein normaler TSH kann trotzdem bedeuten, dass zu wenig aktives T3 in deinen Zellen landet. Das passiert häufiger, als die meisten ahnen.

Und das ist erst der Anfang. Denn es gibt mehrere Werte, die viel aussagekräftiger wären — die aber im Standardblutbild schlicht nicht auftauchen. Werte, bei denen der Unterschied zwischen "normal" und "optimal" genau der Raum ist, in dem viele Frauen seit Jahren feststecken. Aber dazu gleich mehr.


Die drei häufigsten Störungsbilder — und alle können mit normalem TSH auftreten

1. Die Schilddrüse produziert schlicht zu wenig

Das klassische Bild: Der TSH ist erhöht, weil das Gehirn immer lauter ruft. T4 und T3 sind erniedrigt. Die Schilddrüse kommt nicht nach — oft weil sie zu klein ist oder weil ihr die Baustoffe fehlen. Das betrifft etwa 50 bis 60 Prozent aller Schilddrüsenunterfunktionen.

2. Das Gehirn gibt keinen ausreichenden Impuls mehr

In etwa 20 Prozent der Fälle liegt das Problem gar nicht in der Schilddrüse selbst. Wenn der Körper unter dauerhaftem Stress steht — körperlich, emotional, oder durch eine geschwächte Nebenniere — dann drosselt das Gehirn die Produktion von TSH. Der Wert ist niedrig oder untere Norm, aber auch T4 und T3 sind niedrig. Die Schilddrüse bekommt schlicht keinen Impuls mehr zum Arbeiten.

3. Die Umwandlungsstörung — T4 kommt an, T3 nicht

Das ist das Szenario, das am häufigsten übersehen wird und das mich selbst viele Jahre beschäftigt hat. TSH und T4 sind im Normbereich — alles sieht gut aus. Aber das eigentlich wirksame T3 kommt trotzdem nicht an. Die Ursachen dafür sind vielfältig und hängen eng mit dem zusammen, was in deinem Körper sonst noch passiert.


Reverses T3 — die heimliche Bremse

Es gibt noch einen weiteren Wert, der fast nie gemessen wird und der dennoch entscheidend sein kann: reverses T3, kurz rT3.

Stell dir vor, dein Körper baut aus dem gleichen Rohstoff (T4) zwei verschiedene Produkte: das nützliche, aktive T3 — und eine Art Attrappe, die genau die gleichen Andockstellen besetzt, aber nichts tut. Das ist reverses T3. Es blockiert die Rezeptoren, ohne zu wirken — wie ein Schlüssel, der ins Schloss passt, aber nicht dreht.

Der Körper produziert rT3 vermehrt unter Stress, bei Entzündungen, bei Schwermetallbelastungen, bei Hungerstoffwechsel und bei vielen chronischen Erkrankungen. Es gibt ein konkretes Verhältnis zwischen freiem T3 und reversem T3, an dem man ablesen kann, ob hier ein Problem vorliegt — das wird aber so gut wie nie gemessen und noch seltener erklärt.


Was die Schilddrüse zum Arbeiten braucht — und was oft fehlt

Die Schilddrüse ist wie eine Fabrik — und jede Fabrik braucht Rohstoffe. Fehlen sie, läuft die Produktion auf Sparflamme, egal wie laut das Gehirn ruft.

Jod ist der Grundbaustein der Schilddrüsenhormone. Selen ist für die Umwandlung unerlässlich und schützt die Schilddrüse vor Entzündung. Eisen braucht sie, um Hormone überhaupt herstellen zu können. Und ohne ausreichend Eiweiß können weder Hormone gebaut noch durch den Körper transportiert werden.

Das Entscheidende dabei: Diese Mängel tauchen im normalen Blutbild kaum auf — und selbst wenn sie gemessen werden, liegen die Normwerte so niedrig, dass ein echter Mangel oft unentdeckt bleibt. Was optimal wäre und wie weit das vom "normalen" Referenzbereich entfernt ist, das ist einer der wichtigsten Punkte, über die ich mit meinen Patientinnen spreche.


Hashimoto — wenn das Immunsystem die eigene Schilddrüse angreift

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet: Das Immunsystem erkennt die eigene Schilddrüse fälschlicherweise als Feind und greift sie an. Die Schilddrüse wird im Ultraschall oft inhomogen — sie sieht aus wie ein unruhiges Muster, im Gegensatz zu einer gesunden, gleichmäßigen Struktur.

Diese Entzündungsschübe schwanken. In manchen Phasen schüttet die Schilddrüse durch die Entzündung zu viel aus — Betroffene fühlen sich dann innerlich unruhig, herzrasen, schlafen schlecht. In anderen Phasen ist die Funktion deutlich reduziert.

Was viele nicht wissen: Gluten, Stress, Nährstoffmängel (besonders Selen und Vitamin D) und Darmprobleme können Hashimoto-Schübe auslösen oder verstärken. Die Behandlung der Schilddrüse allein greift hier zu kurz — der Körper muss als Ganzes betrachtet werden.


Stress und die Schilddrüse — eine unterschätzte Verbindung

Der Körper hat eine innere Hierarchie. Wenn das Überleben auf dem Spiel steht — und chronischer Stress signalisiert dem Körper genau das — dann werden nicht lebensnotwendige Systeme gedrosselt. Fortpflanzung, Verdauung, und ja: optimale Schilddrüsenfunktion.

Die sogenannte HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) ist das Stresszentrum des Körpers. Wenn sie dauerhaft aktiviert ist, produziert die Nebenniere Cortisol. Und dauerhaft erhöhtes Cortisol bremst die Schilddrüsenfunktion auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Die Signalgebung des Gehirns wird reduziert, die Umwandlung von T4 zu T3 wird gestört, und mehr reverses T3 wird gebildet.

Das ist kein Versagen deines Körpers. Das ist ein Schutzmechanismus. Aber wenn dieser Zustand chronisch wird, leiden Energie, Stimmung und Stoffwechsel dauerhaft.


Cholesterin — ein Zeichen, das kaum jemand kennt

Erhöhte Cholesterinwerte werden oft sofort mit Ernährung und Herzrisiko in Verbindung gebracht. Dabei gibt es einen Zusammenhang, der in der Schulmedizin viel zu selten beachtet wird: Ein niedriger T3-Spiegel kann den Cholesterin-Stoffwechsel bremsen. Die Leber baut Cholesterin langsamer ab, wenn nicht genug aktives T3 vorhanden ist. Das Ergebnis: Die Werte steigen — obwohl die Ernährung gar nicht das Problem ist.

Wer also erhöhte Cholesterinwerte hat und sich gleichzeitig erschöpft fühlt, friert und an Gewicht zunimmt — der sollte unbedingt auch die Schilddrüsenwerte im Detail prüfen lassen.


Niedrige Körpertemperatur — ein Zeichen, das der Körper selbst gibt

Die Schilddrüse ist die Heizung des Körpers. T3 aktiviert die Wärmeproduktion in jeder Zelle. Wer chronisch friert — kalte Hände, kalte Füße, morgens eine Körpertemperatur unter 36,5 Grad — dessen Schilddrüse arbeitet möglicherweise unter ihren Möglichkeiten.

37 Grad sind die Temperatur, bei der dein Körper optimal funktioniert — und das gilt nicht nur für den Stoffwechsel, sondern auch für dein Immunsystem. Fällt die Körpertemperatur dauerhaft darunter, arbeiten Immunzellen langsamer, Enzyme verlieren ihre Wirkung und der ganze Körper läuft auf Sparflamme.

Das Messen der Basaltemperatur direkt nach dem Aufwachen, noch vor dem Aufstehen, kann ein einfacher erster Hinweis sein. Kein Diagnoseinstrument — aber ein Signal, das man ernst nehmen darf.


Goitrogene, Fluorid und Perchlorat — können den Jodtransport blockieren

Jod gelangt über einen speziellen Transporter (den Natrium-Jodid-Symporter) in die Schilddrüse. Dieser Transporter kann blockiert werden — von Substanzen, die strukturell dem Jod ähneln oder mit ihm konkurrieren.

Dazu gehören sogenannte Goitrogene, die in rohem Kreuzblütengemüse vorkommen (Brokkoli, Kohl, Blumenkohl) — aber auch in Soja und Sojaprodukten wie Tofu, Sojadrink oder Sojaprotein. Gerade Soja gilt als eines der stärksten Goitrogene überhaupt, was viele Frauen überrascht, die es bewusst als gesunde Alternative gewählt haben. In normalen, gekochten Mengen ist Kreuzblütengemüse kein Problem — bei großen Mengen oder regelmäßigem Sojakonsum kann es bei einer bereits belasteten Schilddrüse jedoch sehr relevant werden.

Auch Fluorid (aus Trinkwasser, Zahnpasta) blockiert denselben Transporter — das weiß kaum jemand, aber Fluorid wurde früher sogar gezielt als Medikament gegen Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt, so zuverlässig hemmt es die Jodaufnahme. Und dann gibt es noch Perchlorat — ein Stoff, der ebenfalls direkt mit Jod um den Eingang in die Schilddrüsenzelle konkurriert. Perchlorat steckt in bestimmten Medikamenten, aber auch in pestizidbelastetem Gemüse und Trinkwasser und wird dort kaum gemessen. Das heißt nicht, dass man in Panik verfallen muss — aber wer eine belastete Schilddrüse hat, dem können genau diese stillen Störer das Leben schwer machen, ohne dass jemand danach sucht.


Selenoprotein-P-Antikörper nach Covid — ein neues Phänomen

Seit der Covid-19-Pandemie berichten immer mehr Frauen über neu aufgetretene Schilddrüsenprobleme oder eine Verschlechterung bestehender Beschwerden. Ein möglicher Zusammenhang, der zunehmend diskutiert wird: Antikörper gegen Selenoprotein P — ein Protein, das für den Selentransport in die Schilddrüse entscheidend ist.

Wenn diese Antikörper vorhanden sind, kommt Selen nicht mehr ausreichend in der Schilddrüse an — selbst wenn der Selenspiegel im Blut gut aussieht. Das ist ein noch junges Forschungsfeld, dem ich einen eigenen Artikel widmen werde. Für heute nur der Hinweis: Wenn du nach Covid Schilddrüsenprobleme entwickelt hast oder deine bisherige Einstellung plötzlich nicht mehr funktioniert, lohnt sich eine tiefere Abklärung.


Was das alles bedeutet — und warum du nicht weiter warten solltest

Haarausfall, Gewichtszunahme, Erschöpfung, Frieren, Konzentrationsprobleme — das sind keine Einbildungen. Das sind Signale. Und sie können sehr konkret auf eine Schilddrüse hinweisen, die nicht optimal arbeitet — auch wenn dein TSH unauffällig war.

Das Tückische ist: Solange nur der TSH gemessen wird, bleibt dieses Bild unvollständig. Es gibt weitere Werte, die zeigen würden, ob deine Schilddrüse wirklich das leistet, was sie leisten sollte. Und es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen dem, was Labore als "normal" einzeichnen — und dem, was deinem Körper tatsächlich reicht.

Genau diesen Unterschied erkläre ich dir im kostenlosen Guide. Welche Werte wirklich relevant sind, was sie bedeuten, und was du konkret als nächsten Schritt tun kannst.


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Ich bin Sonja Speck, Heilpraktikerin. Ich habe selbst über 15 Jahre gebraucht, um zu verstehen, was mit meinem Körper nicht stimmte — und ich möchte, dass du diesen Weg nicht alleine gehst.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Beschwerden wende dich bitte an einen Arzt/eine Ärztin oder einen Therapeuten/eine Therapeutin.

 
 
 
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