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Aktuelles zum Thema Funktionelle Medizin

Über Wintermüdigkeit klagen gerade sehr viele, und ich höre das auch aktuell bei vielen meiner Patientinnen und Patienten. Das Muster ist oft ähnlich: morgens schwer in Gang kommen, tagsüber weniger Energie, nachmittags ein Tief, abends dann plötzlich wieder wacher, dazu mehr Infektanfälligkeit oder das Gefühl, dass Regeneration länger dauert.

Wintermüdigkeit hat selten einen einzelnen Auslöser. Häufig kommen mehrere Winterfaktoren gleichzeitig zusammen.


Weniger Tageslicht am Morgen

Tageslicht ist ein zentrales Signal für den Tag Nacht Rhythmus. Wenn dieses Signal schwächer ist, verschiebt sich der innere Takt leicht nach hinten. Das kann sich morgens wie ein Start mit angezogener Bremse anfühlen und abends als spätere Müdigkeit.


Weniger Bewegung im Alltag

Im Winter fallen Wege zu Fuß und spontane Bewegung häufig weg. Für den Körper ist Bewegung nicht nur Fitness, sondern ein Signal: Energie wird gebraucht. Wenn dieses Signal geringer ist, reagiert der Stoffwechsel oft mit weniger Antrieb und weniger Stabilität über den Tag.


Mehr Immunlast und mehr Entzündungssignale

Kälte, Infektzeit und gereizte Schleimhäute erhöhen bei vielen die Belastung. Das Immunsystem braucht Energie. Wenn es dauerhaft mitläuft, steht weniger Energie für Leistung und Regeneration zur Verfügung.


Ernährungsverschiebung

Im Winter wird oft dichter gegessen, weniger frisch, manchmal weniger proteinbetont, häufiger snacking. Das kann Blutzucker und Energie über den Tag instabiler machen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Nährstoffdichte häufig eher, als dass er sinkt.


Funktionell lohnt sich dann der Blick auf ein System, das sehr sensibel auf Umwelt und Lebensstil reagiert: die Mitochondrien.

Mitochondrien stellen einen Großteil der zellulären Energie bereit, koordinieren Stoffwechselwege und sind eng mit oxidativem Stress und Entzündungssignalen verknüpft. Wenn diese Balance kippt, kann sich das als reduzierte Belastbarkeit bemerkbar machen.


Was Mitochondrien konkret tun

Mitochondrien wandeln Nährstoffe und Sauerstoff in Energie um, vor allem über den Citratzyklus und die Atmungskette. Dafür brauchen sie nicht nur Kalorien, sondern auch eine Reihe an Mikronährstoffen und Cofaktoren, damit die beteiligten Enzyme zuverlässig arbeiten.


Was Mitochondrien brauchen

1. Mikronährstoffe als Cofaktoren der Energieproduktion

Viele Schritte der Energiegewinnung laufen nur stabil, wenn bestimmte Vitamine und Mineralstoffe als Cofaktoren vorhanden sind.

B Vitamine

Mehrere B Vitamine sind zentrale Coenzyme im Energiestoffwechsel. Bei unzureichender Versorgung kann die mitochondriale Verwertung von Aminosäuren, Glukose und Fettsäuren beeinträchtigt sein. Zusätzlich ist gut beschrieben, dass spezifische aktive Formen von B Vitaminen und verwandten Cofaktoren in die Mitochondrien transportiert werden müssen, damit sie dort wirken können.

Magnesium

Magnesium ist funktionell eng mit ATP verknüpft und unterstützt Prozesse der mitochondrialen ATP Synthese.

Eisen

Eisen ist für die Zellenergie relevant, weil Eisen Cofaktoren in der Atmungskette und für Eisen Schwefel Cluster benötigt werden. Das betrifft die Elektronenübertragung und damit die Effizienz der Energiegewinnung.

Coenzym Q10

Coenzym Q10 ist als Elektronenträger in der Atmungskette zentral und damit direkt mit ATP Produktion verbunden.

Carnitin

Carnitin ist wichtig für den Transport langkettiger Fettsäuren in die Mitochondrien, damit diese dort über Beta Oxidation genutzt werden können.

Ein praktischer funktioneller Gedanke dazu: Ein hoher Energiebedarf im Alltag steigt schnell, aber die Versorgung mit Cofaktoren steigt nicht automatisch mit. Darum ist Nährstoffdichte ein Grundpfeiler, wenn das Thema Energie im Vordergrund steht.

2. Ausreichend Baustoffe für Struktur und Reparatur

Mitochondrien sind nicht nur Enzymmaschinen, sie haben Membranen, Proteine und ein sensibles Reparatursystem. Dafür braucht der Körper vor allem:

Protein

Aminosäuren sind Baustoffe für Enzyme, Transporter und Strukturproteine. Eine gleichmäßige Proteinzufuhr kann helfen, Reparatur- und Aufbauprozesse zu unterstützen, besonders in Phasen höherer Belastung.

Fette in guter Qualität

Mitochondriale Membranen müssen stabil und funktionell bleiben. Fette liefern nicht nur Energie, sie sind auch Bausteine für Zellmembranen und damit für die Funktion der Mitochondrien relevant. Gesättigte Fettsäuren sind wichtig für die Stabilität der Membranen. Sie kommen vor allem in Butter, Ghee, Käse, Sahne, Eiern, Fleisch sowie in Kokos und Kakao vor. Ungesättigte Fettsäuren geben der Membranstruktur ihre Flexibilität; einfach ungesättigte finden sich zum Beispiel in Olivenöl, Avocado und Nüssen, mehrfach ungesättigte unter anderem in Walnüssen, Leinsamen, Chiasamen sowie in fettem Seefisch. Beide sind gleichermaßen wichtig für den Aufbau einer gesunden und gut funktionierenden Zellmembran.

3. Eine niedrige Entzündungs- und Stresslast im System

Mitochondrien sind zugleich Quelle und Ziel von oxidativem Stress und Entzündungssignalen. Chronisch erhöhte Entzündungsaktivität und anhaltender oxidativer Druck können mitochondriale Prozesse stören und sich als reduzierte Energie bemerkbar machen.

Funktionell sind hier drei Alltagsfaktoren besonders relevant:

Blutzuckerstabilität

Starke Schwankungen durch sehr zuckerreiche, stark verarbeitete Mahlzeiten können Entzündungs- und Stresssignale erhöhen und die Energie über den Tag instabil machen.

Darmmilieu und Barriere

Ein gereiztes Darmmilieu kann systemische Entzündungssignale fördern. Ballaststoffe, Polyphenole und regelmäßige Mahlzeitenstruktur sind hier häufig hilfreiche Basismaßnahmen.

Schlaf und Rhythmus

Schlaf ist eine zentrale Regenerationsphase für Stoffwechsel und Redoxbalance. Wenn Schlafqualität im Winter sinkt, kann das direkt auf Energie und Belastbarkeit durchschlagen.

4. Regelmäßige Nachfrage nach Energie

Mitochondrien passen sich an Nachfrage an. Bewegungsreize und Muskelarbeit sind starke Signale für mitochondriale Kapazität und Effizienz. In der Praxis zählt weniger die Intensität, sondern die Regelmäßigkeit über die Woche.


Wie du das im Alltag umsetzt

Wenn du mitochondriale Energie funktionell stärken willst, sind diese Bausteine besonders zuverlässig:

  • Nährstoffdichte Mahlzeiten mit klarer Proteinbasis

  • Regelmäßige Quellen für B Vitamine und Magnesium aus Lebensmitteln, je nach Ernährungskonzept

  • Eisenstatus und Eisenaufnahme im Blick, besonders bei starker Menstruation, sehr einseitiger Ernährung oder Leistungsabfall

  • Hochwertige Fettquellen und ausreichend Omega 3 reiche Lebensmittel

  • Ballaststoffe und polyphenolreiche Pflanzenvielfalt zur Unterstützung des Darmmilieus

  • Weniger stark verarbeitete Produkte, die Entzündungssignale und Blutzuckerschwankungen fördern können

  • Schlafrhythmus und Morgenlicht als verlässliches Timing Signal

  • Regelmäßige Bewegung als Nachfrage Signal für Energie


Fazit:

Gerade im Winter braucht unser Körper mehr Mikronährstoff-Power, mehr Rhythmus und mehr Schlafqualität – damit die Mitochondrien wieder sauber Energie bauen können.


Wenn du das Thema individuell vertiefen möchtest, kann man in der Praxis strukturiert prüfen, welche Faktoren bei dir im Vordergrund stehen, zum Beispiel Nährstoffversorgung, Schlafrhythmus, Darmfaktoren, Entzündungszeichen und Belastungssteuerung.


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Gefühlt hustet gerade jeder Zweite. Und dann kommt schnell das Übliche: mehr Vitamin C, mehr Zink, irgendwas „fürs Immunsystem“. Ich sehe es etwas anders: Immunsystem ist kein einzelnes Supplement – sondern ein Zusammenspiel aus Barrieren, Rhythmus, Nährstoff-Basis und Regulation. Wenn eine dieser Säulen wackelt, fühlt sich die Infektzeit schnell wie „Dauerschleife“ an.


Hier sind 5 Basics, die sich in der Praxis als Fundament bewährt haben:


Deine Schutzbarrieren: Darm + Haut + Schleimhäute

Weil ein großer Teil deines Immunsystems an Schleimhäuten „sitzt“ – besonders im Darm – hängt Immunbalance stark davon ab, wie stabil deine Darmschleimhaut und die übrigen Schleimhäute (Mund, Nase, Rachen) sind: Wenn diese Barrieren gut genährt und geschützt sind, ist dein Immunsystem deutlich stabiler. Darm und Schleimhäute (Mund/Nase/Rachen) sind Kontaktfläche zur Außenwelt – und die Haut gehört genauso dazu. Wenn diese Barrieren überlastet sind (trocken, gereizt, „dünn“), ist das wie eine Haustür, die nicht richtig schließt. Darum macht es Sinn, einen Fokus auf Darm und Schleimhautpflege zu legen.


Nervensystem: Sympathikus vs. Parasympathikus

Viele unterschätzen, wie stark Stress die Immunbalance beeinflusst. Im Sympathikus (Stressmodus) geht es für den Körper um Leistung, Fokus, „durchhalten“. Regeneration und Immunarbeit laufen dann eher im Hintergrund – schlicht, weil der Körper Prioritäten setzt. Und deshalb kennen es viele: Solange man im Stress „funktioniert“, geht’s irgendwie – und sobald man in den Parasympathikus kommt (Wochenende, Urlaub, endlich Ruhe), wird man krank. Nicht, weil Entspannung „schlecht“ ist, sondern weil das System dann überhaupt erst runterfahren und nacharbeiten kann.


Schlaf – oft unterschätzt

Schlaf ist kein „Lifestyle-Tipp“, sondern eine Regenerationsphase, in der der Körper sortiert, repariert und reguliert. Gerade in der Infektzeit lohnt es sich, auf ausreichend, erholsamen Schlaf zu achten, als zehn Dinge gleichzeitig zu starten: möglichst ähnliche Zubettgehzeit, abends ein bisschen runterfahren, morgens Tageslicht – ohne Perfektionsdruck. Kleine Anpassungen, die du wirklich durchhältst, sind hier Gold wert.


Protein als unterschätzte Basis

Viele wollen das Immunsystem „stärken“, essen aber im Alltag zu wenig Eiweiß. Protein ist ein Grundbaustein für das Immunsystem. Sie Immunzellen brauchen ausreichend Baumaterial - Aminosäuren – und es hilft dem Körper, überhaupt Reserven aufzubauen. Wenn du häufig krank bist oder nach Infekten länger „leer“ bist, ist das oft ein überraschend wirksamer Hebel: pro Mahlzeit eine klare Proteinquelle.


Mikronährstoffe: sinnvolle Ergänzung

Mikronährstoffmangel ist wie wenn ein Heer in den Kampf zieht aber keine Waffen und keine Munition hat: Das Immunsystem ist grundsätzlich da – aber ihm fehlen die Bausteine, um schnell, gezielt und effizient zu reagieren. Sinnvoll ist hier schon vorbeugend und konstant über den Winter den Nährstoffhaushalt zu optimieren. Am Besten ist es, im Herbst ein Check-up der wichtigsten Parameter im Labor zu veranlassen und daraufhin dann einen individuellen, sinnvollen Einnahmeplan zu entwerfen.


Wichtige Parameter:

  • Vitamin D 25 OH und 1,25 OH

  • Selen im Vollblut

  • Zink im Vollblut

  • Magnesium im Vollblut

  • Kupfer im Vollblut

  • Ferritin (Eisenspeicher)

  • CRP (Entzündungsmarker)



Kurzfazit: Wenn du gerade das Gefühl hast, dein Immunsystem ist „zu dünn“, dann ist der erste Schritt oft nicht noch ein neues Mittel, sondern ein stabiles Fundament: Barrieren, Nervensystem-Regulation, Schlaf, Protein und eine ruhige Basics-Routine.


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Viele Menschen fragen sich, warum sie „alles Mögliche“ für ihre Gesundheit tun – Ernährung umstellen, Mikronährstoffe einnehmen, Behandlungen machen – und der Körper trotzdem nicht so in die Heilung kommt, wie sie es sich wünschen.

Ein zentraler Punkt, der dabei oft übersehen wird, ist das Stresssystem: also das Zusammenspiel von Sympathikus, Parasympathikus (Vagusnerv), Herzrhythmus und den hormonellen Regelkreisen zwischen Gehirn und endokrinen Organen.

Dieser Artikel erklärt, wie dieses System funktioniert, warum chronischer Stress Heilungsprozesse blockieren kann und wie Herzratenvariabilität (HRV) in dieses Bild hineinpasst.


Dein Stresssystem: autonomes Nervensystem im Überblick

Das autonome Nervensystem steuert unbewusst eine Vielzahl von Körperfunktionen: Herzschlag, Blutdruck, Atmung, Verdauung, Gefäßweite, Temperaturregulation. Es besteht im Wesentlichen aus zwei „Ästen“:

  • Sympathikus – Aktivierung, Alarm, Leistung

  • Parasympathikus – Ruhe, Verdauung, Regeneration

Der wichtigste Nerv des Parasympathikus ist der Vagusnerv. Er verläuft vom Gehirn durch Hals, Brust- und Bauchraum und hat Kontakt zu Herz, Lunge, Verdauungsorganen und Teilen des Immunsystems.

Gesund ist nicht „nur Parasympathikus“, gesund ist ein flexibles System: Der Körper kann bei Bedarf hochfahren und genauso gut wieder herunterfahren.


Sympathikus: Fight-or-Flight – der Überlebensmodus

Der Sympathikus ist evolutiv für Situationen gedacht, in denen es um Leben und Tod geht: Angriff, Flucht, akute Bedrohung – Fight-or-Flight.

Wird dieses System aktiviert, läuft ein klarer Notfallmodus:

  • Herzfrequenz und Blutdruck steigen

  • die Durchblutung wird in die Muskulatur umgeleitet

  • die Bronchien weiten sich, damit mehr Sauerstoff zur Verfügung steht

  • Verdauung, Fortpflanzung und viele Reparaturprozesse werden gedrosselt

  • im Gehirn werden schnelle Reaktionen wichtiger, differenziertes, rationales Denken wird schwieriger

Dieses Programm ist konsequent auf Überleben ausgerichtet. Es interessiert sich nicht für langfristige Regeneration, sondern dafür, dass du die Situation gerade überstehst.

Das Problem heute: Das System reagiert auf realen physischen Angriff – aber auch auf anhaltenden Arbeitsstress, Konflikte, Dauererreichbarkeit, finanzielle Sorgen oder innere Antreiber oft sehr ähnlich.


Parasympathikus und Vagusnerv: Regenerationsmodus

Der Parasympathikus, vor allem über den Vagusnerv, ist das Gegengewicht dazu. Er steht für:

  • Verdauung und Nährstoffaufnahme

  • Regeneration und Reparaturprozesse

  • Immunsystem-Balance

  • feinere Hormonregulation

Der Vagusnerv sendet Signale aus dem Körper zum Gehirn und umgekehrt. Er beeinflusst Herzschlag, Darmbewegung, Entzündungsreaktionen und sogar die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe.

In einem eher parasympathisch geprägten Zustand kann dein Körper:

  • Nahrung besser verdauen und verwerten

  • Gewebe und Zellen besser reparieren

  • das Immunsystem differenzierter steuern

  • Hormonsysteme feiner regulieren

Heilungsprozesse laufen vor allem dann gut, wenn der Körper regelmäßig Zugang zu diesem Regenerationsmodus hat.


Hypothalamus, Hypophyse und die hormonellen Achsen

Über dein Hormonsystem steht eine Schaltzentrale im Gehirn:

  • Hypothalamus

  • Hypophyse (Hirnanhangsdrüse)

Von dort aus werden mehrere hormonelle „Achsen“ gesteuert:

  • HPA-Achse: Hypothalamus – Hypophyse – Nebenniere (Stressachse, Cortisol)

  • HPT-Achse: Hypothalamus – Hypophyse – Schilddrüse (Stoffwechsel, Energie)

  • HPG-Achse: Hypothalamus – Hypophyse – Gonaden (Eierstöcke/Hoden; Geschlechtshormone)

Das Grundprinzip ist ähnlich:

  1. Der Hypothalamus registriert innere Zustände (Stress, Entzündung, Energie, Tag-Nacht-Rhythmus) und gibt Releasing-Hormone ab.

  2. Die Hypophyse reagiert darauf mit Steuerhormonen (z. B. ACTH, TSH, LH/FSH).

  3. Nebennieren, Schilddrüse und Geschlechtsorgane produzieren die jeweiligen Hormone (Cortisol, T3/T4, Östrogene, Progesteron, Testosteron).

  4. Diese Hormone melden ihren Spiegel wieder zurück an Hypophyse und Hypothalamus – das ist die negative Rückkopplung (Feedback-Schleife).

Steigen die Spiegel, wird die Produktion gebremst. Sinken sie, wird sie verstärkt. So hält der Körper seine Systeme im Rahmen.

Wichtig: Alle drei Achsen nutzen dieselben Steuerzentren. Der Hypothalamus betrachtet nicht jede Achse isoliert, sondern bewertet die Gesamtsituation und setzt Prioritäten.


Was chronischer Stress mit Schilddrüse und Geschlechtshormonen macht

Bei akutem Stress funktioniert dieses System gut: Die Stressachse fährt hoch, danach beruhigt sich alles wieder.

Bei chronischem Stress ist die HPA-Achse jedoch über lange Zeit aktiv oder reagiert übersteigert. Reviews zeigen, dass eine anhaltende Dysregulation der Stressachse nicht nur Cortisol, sondern auch Schilddrüsenachse und Geschlechtshormonachse beeinflussen kann.

Funktionell kann das bedeuten:

  • Die Schilddrüsenachse wird gedämpft: TRH und TSH können herunterreguliert werden, die Schilddrüse fährt eher in den Energiesparmodus. Das kann sich anfühlen wie eine Unterfunktion: weniger Antrieb, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, verlangsamter Stoffwechsel.

  • Die Geschlechtshormonachse wird nachrangig behandelt: Stresshormone können die Freisetzung von GnRH im Hypothalamus hemmen. Das kann LH/FSH und damit die Produktion von Östrogen, Progesteron und Testosteron beeinflussen – mit möglichen Folgen wie Zyklusstörungen, verminderter Fruchtbarkeit oder nachlassender Libido.

Der gemeinsame Nenner ist die Schaltzentrale oben: Hypothalamus und Hypophyse.

Wenn das Stresssystem dauerhaft Priorität bekommt, werden Schilddrüsen- und Geschlechtshormone nicht „zufällig schlecht“, sondern sie werden bewusst vom Körper zurückgenommen – zugunsten von kurzfristigem Überleben.

Aus funktioneller Sicht ist es deshalb wenig sinnvoll, Stress, Schilddrüse und Geschlechtshormone getrennt zu betrachten. Diese Systeme gehören zusammen auf den Tisch.


Herzratenvariabilität: wie dein Herz dein Nervensystem widerspiegelt

Herzratenvariabilität (HRV) beschreibt nicht den Puls an sich, sondern die feinen Unterschiede in den Abständen zwischen zwei Herzschlägen.

Ein Beispiel: Bei 60 Schlägen pro Minute sind das nicht exakt 1,000 Sekunden zwischen jedem Schlag, sondern einmal vielleicht 0,9 Sekunden, dann 1,1, dann 0,95 – in einem gesunden System gibt es eine lebendige, flexible Variation.

HRV ist damit ein indirekter Marker für dein autonomes Nervensystem – insbesondere für die parasympathische (vagale) Aktivität.

Vereinfacht:

  • höhere HRV: eher Zeichen eines flexiblen, gut regulierenden Nervensystems

  • sehr niedrige HRV: häufig Hinweis auf anhaltenden Stress, Überforderung oder eingeschränkte Anpassungsfähigkeit

Meta-Analysen und Reviews zeigen, dass chronischer Stress und verschiedene Belastungszustände mit einer verminderten HRV einhergehen.

Studien zu HRV-basierten Atem- und Regulationstechniken deuten darauf hin, dass sich durch langsame, geführte Atmung HRV erhöhen und Stressbelastung senken lässt.

Damit wird HRV zu einem Bindeglied:

Sie zeigt, wie gut Sympathikus und Parasympathikus im Alltag tatsächlich zusammenarbeiten – und spiegelt damit auch wider, in welchem Modus dein Körper eher unterwegs ist: Überleben oder Regeneration.


Der Vagusnerv als Verbindung zwischen Nervensystem, Immunsystem und Hormonen

Der Vagusnerv ist nicht nur „der Ruhe-Nerv“. Er verbindet Nervensystem, Immunsystem und Hormonsystem miteinander.

Über den Vagusnerv werden Signale aus Organen (z. B. Darm, Herz) zum Gehirn geleitet und umgekehrt. Studien beschreiben unter anderem einen sogenannten „inflammatorischen Reflex“: Vagusaktivität kann entzündliche Prozesse dämpfen und so überschießende Immunreaktionen begrenzen.

Gleichzeitig beeinflusst der Vagus die Aktivität des autonomen Nervensystems insgesamt. Mehr vagale (parasympathische) Aktivität bedeutet:

  • leichterer Zugang zu Regeneration

  • bessere Feinabstimmung von Herzfrequenz, Atmung und Gefäßtonus

  • engere Kopplung zwischen Körperwahrnehmung und zentraler Steuerung im Gehirn

Damit spielt der Vagusnerv eine Schlüsselrolle darin, ob deine Stressachse ständig hochgefahren ist – oder ob dein System überhaupt die Chance hat, in einen Heilungsmodus zu wechseln.


Warum all das für Heilung so entscheidend ist

Wenn du diese Ebenen zusammennimmst, ergibt sich ein klares Bild:

  • Das autonome Nervensystem steuert, ob dein Körper eher im Überlebens- oder im Regenerationsmodus ist.

  • Der Vagusnerv ist dabei der wichtigste Player für Ruhe, Verdauung, Regeneration und Entzündungsregulation.

  • Hypothalamus und Hypophyse verbinden Stresssystem, Schilddrüse und Geschlechtshormone über gemeinsame Regelkreise.

  • Herzratenvariabilität zeigt, wie flexibel dieses System tatsächlich arbeitet – und ob dein Körper überhaupt gut zwischen Aktivität und Regeneration wechseln kann.

Solange dein System überwiegend im Fight-or-Flight-Modus steckt, passiert Folgendes:

  • Verdauung und Nährstoffverwertung laufen nicht optimal.

  • Gewebe- und Zellreparatur werden nach hinten gestellt.

  • Schilddrüsen- und Geschlechtshormonachsen können funktionell gedrosselt sein.

  • das Immunsystem arbeitet eher grob und weniger fein justiert.

Heilung wird dadurch nicht unmöglich, aber deutlich erschwert.

Wenn du Heilung grundsätzlich im Körper verstehst, dann ist das Stresssystem einer der zentralen Schlüssel: Therapien, Mikronährstoffe und Infusionen können deutlich besser greifen, wenn dein Nervensystem die Möglichkeit hat, aus dem Überlebensmodus in einen echten Regenerationsmodus zu wechseln.


Was du grundsätzlich beeinflussen kannst

Ein paar Punkte, die das Stresssystem unterstützen können – ergänzend zu jeder Therapie:

  • ruhige, langsame Atmung mit längerer Ausatmung

  • kurze, echte Pausen im Alltag

  • regelmäßige, moderate Bewegung, idealerweise in der Natur

  • ausreichend Schlaf und möglichst stabile Schlafzeiten

  • bewusste Phasen mit weniger digitalen Reizen

Diese Dinge ersetzen keine Diagnostik und keine Behandlung. Sie schaffen aber Rahmenbedingungen, in denen dein Stresssystem, dein Vagusnerv und deine hormonellen Achsen besser arbeiten können – und genau das braucht dein Körper, um Heilungsprozesse überhaupt voll entfalten zu können.


Wenn du das Gefühl hast, dass dein Körper schon lange im Überlebensmodus festhängt, dann ist das kein persönliches Versagen, sondern ein Schutzprogramm. Gerade dann lohnt es sich, dein Stresssystem, deinen Vagusnerv und deine hormonellen Achsen nicht isoliert, sondern im Zusammenhang zu betrachten. Funktionelle Medizin versteht sich genau als dieser Blick aufs Ganze – damit dein Körper wieder die Chance bekommt, von „nur noch funktionieren“ zurück in echte Regeneration und Heilung zu finden.


Du möchtest interessierst dich für Supplemente im Zusammenhang mit Stress? Ich habe dir meine liebsten Basics als kurzes PDF zusammengestellt – inkl. Empfehlungen, die ich in der Praxis häufig nutze.


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