Schilddrüsenunterfunktion: Haarausfall, Gewichtszunahme, immer müde — und trotzdem heißt es: alles in Ordnung?!
- Sonja Speck
- 7. Mai
- 7 Min. Lesezeit

Deine Haare fallen aus — immer mehr, beim Kämmen, in der Dusche. Die Waage zeigt mehr an, obwohl du nichts verändert hast. Du bist müde auf eine Art, die kein Schlaf löst. Du frierst, wenn alle anderen die Heizung runterdrehen. Du denkst langsamer, vergisst Dinge, die du früher sofort parat hattest. Deine Stimmung schwankt ohne erkennbaren Grund. Du fühlst dich — irgendwie nicht mehr wie du selbst.
Du gehst zum Arzt. Dir wird Blut abgenommen. Das Ergebnis: alles normal. Der TSH-Wert ist unauffällig. "Mit Ihrer Schilddrüse ist alles in Ordnung."
Und trotzdem sitzt du dort und weißt: Da stimmt etwas nicht.
Ich glaube dir. Und ich möchte dir heute erklären, warum dieser eine Wert die ganze Geschichte nicht erzählt.
Was die Schilddrüse eigentlich macht
Stell dir deine Schilddrüse wie den Zündschlüssel deines Körpers vor. Ohne ihn läuft gar nichts. Jede einzelne Zelle in deinem Körper braucht das Signal der Schilddrüsenhormone, um überhaupt arbeiten zu können. Dein Herz, deine Leber, dein Darm, dein Gehirn — alle warten auf diesen Impuls.
Die Schilddrüse sitzt vorne am Hals, direkt unterhalb des Kehlkopfes, und hat bei Frauen ein Normalvolumen von etwa 12 bis 18 Milliliter. Sie produziert im Wesentlichen zwei Hormone: T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). T4 ist dabei die Vorstufe — eine Art Rohstoff, der erst in der Leber und im Darm in das eigentlich wirksame T3 umgewandelt wird. Rund 60 Prozent dieser Umwandlung findet in der Leber statt, weitere 20 Prozent im Magen-Darm-Trakt.
T3 ist das Hormon, das wirklich ankommt — an den Rezeptoren jeder einzelnen Zelle. Es aktiviert den Stoffwechsel, erzeugt Wärme, verbessert die Konzentration, unterstützt die Verdauung und hält die Adrenalinachse stabil. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird die Schilddrüse übrigens dem Yang des Körpers zugeordnet — dem Feuer, der Wärme, der Aktivität. Wer zu wenig T3 hat, dessen Yang erlischt langsam.
Warum der TSH-Wert alleine nicht ausreicht
Der TSH-Wert ist ein Botenstoff der Hirnanhangdrüse. Er sagt der Schilddrüse: "Mach mehr Hormone." Wenn der TSH erhöht ist, ruft das Gehirn laut um Hilfe. Wenn er niedrig ist, ist das Gehirn zufrieden. Soweit die Theorie.
Das Problem ist: Der TSH misst nur, was das Gehirn tut — nicht, was in deinen Zellen ankommt. Ein normaler TSH kann trotzdem bedeuten, dass zu wenig aktives T3 in deinen Zellen landet. Das passiert häufiger, als die meisten ahnen.
Und das ist erst der Anfang. Denn es gibt mehrere Werte, die viel aussagekräftiger wären — die aber im Standardblutbild schlicht nicht auftauchen. Werte, bei denen der Unterschied zwischen "normal" und "optimal" genau der Raum ist, in dem viele Frauen seit Jahren feststecken. Aber dazu gleich mehr.
Die drei häufigsten Störungsbilder — und alle können mit normalem TSH auftreten
1. Die Schilddrüse produziert schlicht zu wenig
Das klassische Bild: Der TSH ist erhöht, weil das Gehirn immer lauter ruft. T4 und T3 sind erniedrigt. Die Schilddrüse kommt nicht nach — oft weil sie zu klein ist oder weil ihr die Baustoffe fehlen. Das betrifft etwa 50 bis 60 Prozent aller Schilddrüsenunterfunktionen.
2. Das Gehirn gibt keinen ausreichenden Impuls mehr
In etwa 20 Prozent der Fälle liegt das Problem gar nicht in der Schilddrüse selbst. Wenn der Körper unter dauerhaftem Stress steht — körperlich, emotional, oder durch eine geschwächte Nebenniere — dann drosselt das Gehirn die Produktion von TSH. Der Wert ist niedrig oder untere Norm, aber auch T4 und T3 sind niedrig. Die Schilddrüse bekommt schlicht keinen Impuls mehr zum Arbeiten.
3. Die Umwandlungsstörung — T4 kommt an, T3 nicht
Das ist das Szenario, das am häufigsten übersehen wird und das mich selbst viele Jahre beschäftigt hat. TSH und T4 sind im Normbereich — alles sieht gut aus. Aber das eigentlich wirksame T3 kommt trotzdem nicht an. Die Ursachen dafür sind vielfältig und hängen eng mit dem zusammen, was in deinem Körper sonst noch passiert.
Reverses T3 — die heimliche Bremse
Es gibt noch einen weiteren Wert, der fast nie gemessen wird und der dennoch entscheidend sein kann: reverses T3, kurz rT3.
Stell dir vor, dein Körper baut aus dem gleichen Rohstoff (T4) zwei verschiedene Produkte: das nützliche, aktive T3 — und eine Art Attrappe, die genau die gleichen Andockstellen besetzt, aber nichts tut. Das ist reverses T3. Es blockiert die Rezeptoren, ohne zu wirken — wie ein Schlüssel, der ins Schloss passt, aber nicht dreht.
Der Körper produziert rT3 vermehrt unter Stress, bei Entzündungen, bei Schwermetallbelastungen, bei Hungerstoffwechsel und bei vielen chronischen Erkrankungen. Es gibt ein konkretes Verhältnis zwischen freiem T3 und reversem T3, an dem man ablesen kann, ob hier ein Problem vorliegt — das wird aber so gut wie nie gemessen und noch seltener erklärt.
Was die Schilddrüse zum Arbeiten braucht — und was oft fehlt
Die Schilddrüse ist wie eine Fabrik — und jede Fabrik braucht Rohstoffe. Fehlen sie, läuft die Produktion auf Sparflamme, egal wie laut das Gehirn ruft.
Jod ist der Grundbaustein der Schilddrüsenhormone. Selen ist für die Umwandlung unerlässlich und schützt die Schilddrüse vor Entzündung. Eisen braucht sie, um Hormone überhaupt herstellen zu können. Und ohne ausreichend Eiweiß können weder Hormone gebaut noch durch den Körper transportiert werden.
Das Entscheidende dabei: Diese Mängel tauchen im normalen Blutbild kaum auf — und selbst wenn sie gemessen werden, liegen die Normwerte so niedrig, dass ein echter Mangel oft unentdeckt bleibt. Was optimal wäre und wie weit das vom "normalen" Referenzbereich entfernt ist, das ist einer der wichtigsten Punkte, über die ich mit meinen Patientinnen spreche.
Hashimoto — wenn das Immunsystem die eigene Schilddrüse angreift
Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet: Das Immunsystem erkennt die eigene Schilddrüse fälschlicherweise als Feind und greift sie an. Die Schilddrüse wird im Ultraschall oft inhomogen — sie sieht aus wie ein unruhiges Muster, im Gegensatz zu einer gesunden, gleichmäßigen Struktur.
Diese Entzündungsschübe schwanken. In manchen Phasen schüttet die Schilddrüse durch die Entzündung zu viel aus — Betroffene fühlen sich dann innerlich unruhig, herzrasen, schlafen schlecht. In anderen Phasen ist die Funktion deutlich reduziert.
Was viele nicht wissen: Gluten, Stress, Nährstoffmängel (besonders Selen und Vitamin D) und Darmprobleme können Hashimoto-Schübe auslösen oder verstärken. Die Behandlung der Schilddrüse allein greift hier zu kurz — der Körper muss als Ganzes betrachtet werden.
Stress und die Schilddrüse — eine unterschätzte Verbindung
Der Körper hat eine innere Hierarchie. Wenn das Überleben auf dem Spiel steht — und chronischer Stress signalisiert dem Körper genau das — dann werden nicht lebensnotwendige Systeme gedrosselt. Fortpflanzung, Verdauung, und ja: optimale Schilddrüsenfunktion.
Die sogenannte HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) ist das Stresszentrum des Körpers. Wenn sie dauerhaft aktiviert ist, produziert die Nebenniere Cortisol. Und dauerhaft erhöhtes Cortisol bremst die Schilddrüsenfunktion auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Die Signalgebung des Gehirns wird reduziert, die Umwandlung von T4 zu T3 wird gestört, und mehr reverses T3 wird gebildet.
Das ist kein Versagen deines Körpers. Das ist ein Schutzmechanismus. Aber wenn dieser Zustand chronisch wird, leiden Energie, Stimmung und Stoffwechsel dauerhaft.
Cholesterin — ein Zeichen, das kaum jemand kennt
Erhöhte Cholesterinwerte werden oft sofort mit Ernährung und Herzrisiko in Verbindung gebracht. Dabei gibt es einen Zusammenhang, der in der Schulmedizin viel zu selten beachtet wird: Ein niedriger T3-Spiegel kann den Cholesterin-Stoffwechsel bremsen. Die Leber baut Cholesterin langsamer ab, wenn nicht genug aktives T3 vorhanden ist. Das Ergebnis: Die Werte steigen — obwohl die Ernährung gar nicht das Problem ist.
Wer also erhöhte Cholesterinwerte hat und sich gleichzeitig erschöpft fühlt, friert und an Gewicht zunimmt — der sollte unbedingt auch die Schilddrüsenwerte im Detail prüfen lassen.
Niedrige Körpertemperatur — ein Zeichen, das der Körper selbst gibt
Die Schilddrüse ist die Heizung des Körpers. T3 aktiviert die Wärmeproduktion in jeder Zelle. Wer chronisch friert — kalte Hände, kalte Füße, morgens eine Körpertemperatur unter 36,5 Grad — dessen Schilddrüse arbeitet möglicherweise unter ihren Möglichkeiten.
37 Grad sind die Temperatur, bei der dein Körper optimal funktioniert — und das gilt nicht nur für den Stoffwechsel, sondern auch für dein Immunsystem. Fällt die Körpertemperatur dauerhaft darunter, arbeiten Immunzellen langsamer, Enzyme verlieren ihre Wirkung und der ganze Körper läuft auf Sparflamme.
Das Messen der Basaltemperatur direkt nach dem Aufwachen, noch vor dem Aufstehen, kann ein einfacher erster Hinweis sein. Kein Diagnoseinstrument — aber ein Signal, das man ernst nehmen darf.
Goitrogene, Fluorid und Perchlorat — können den Jodtransport blockieren
Jod gelangt über einen speziellen Transporter (den Natrium-Jodid-Symporter) in die Schilddrüse. Dieser Transporter kann blockiert werden — von Substanzen, die strukturell dem Jod ähneln oder mit ihm konkurrieren.
Dazu gehören sogenannte Goitrogene, die in rohem Kreuzblütengemüse vorkommen (Brokkoli, Kohl, Blumenkohl) — aber auch in Soja und Sojaprodukten wie Tofu, Sojadrink oder Sojaprotein. Gerade Soja gilt als eines der stärksten Goitrogene überhaupt, was viele Frauen überrascht, die es bewusst als gesunde Alternative gewählt haben. In normalen, gekochten Mengen ist Kreuzblütengemüse kein Problem — bei großen Mengen oder regelmäßigem Sojakonsum kann es bei einer bereits belasteten Schilddrüse jedoch sehr relevant werden.
Auch Fluorid (aus Trinkwasser, Zahnpasta) blockiert denselben Transporter — das weiß kaum jemand, aber Fluorid wurde früher sogar gezielt als Medikament gegen Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt, so zuverlässig hemmt es die Jodaufnahme. Und dann gibt es noch Perchlorat — ein Stoff, der ebenfalls direkt mit Jod um den Eingang in die Schilddrüsenzelle konkurriert. Perchlorat steckt in bestimmten Medikamenten, aber auch in pestizidbelastetem Gemüse und Trinkwasser und wird dort kaum gemessen. Das heißt nicht, dass man in Panik verfallen muss — aber wer eine belastete Schilddrüse hat, dem können genau diese stillen Störer das Leben schwer machen, ohne dass jemand danach sucht.
Selenoprotein-P-Antikörper nach Covid — ein neues Phänomen
Seit der Covid-19-Pandemie berichten immer mehr Frauen über neu aufgetretene Schilddrüsenprobleme oder eine Verschlechterung bestehender Beschwerden. Ein möglicher Zusammenhang, der zunehmend diskutiert wird: Antikörper gegen Selenoprotein P — ein Protein, das für den Selentransport in die Schilddrüse entscheidend ist.
Wenn diese Antikörper vorhanden sind, kommt Selen nicht mehr ausreichend in der Schilddrüse an — selbst wenn der Selenspiegel im Blut gut aussieht. Das ist ein noch junges Forschungsfeld, dem ich einen eigenen Artikel widmen werde. Für heute nur der Hinweis: Wenn du nach Covid Schilddrüsenprobleme entwickelt hast oder deine bisherige Einstellung plötzlich nicht mehr funktioniert, lohnt sich eine tiefere Abklärung.
Was das alles bedeutet — und warum du nicht weiter warten solltest
Haarausfall, Gewichtszunahme, Erschöpfung, Frieren, Konzentrationsprobleme — das sind keine Einbildungen. Das sind Signale. Und sie können sehr konkret auf eine Schilddrüse hinweisen, die nicht optimal arbeitet — auch wenn dein TSH unauffällig war.
Das Tückische ist: Solange nur der TSH gemessen wird, bleibt dieses Bild unvollständig. Es gibt weitere Werte, die zeigen würden, ob deine Schilddrüse wirklich das leistet, was sie leisten sollte. Und es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen dem, was Labore als "normal" einzeichnen — und dem, was deinem Körper tatsächlich reicht.
Genau diesen Unterschied erkläre ich dir im kostenlosen Guide. Welche Werte wirklich relevant sind, was sie bedeuten, und was du konkret als nächsten Schritt tun kannst.
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Blutwerte · Nährstoffe · Hintergründe
Ich bin Sonja Speck, Heilpraktikerin. Ich habe selbst über 15 Jahre gebraucht, um zu verstehen, was mit meinem Körper nicht stimmte — und ich möchte, dass du diesen Weg nicht alleine gehst.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Beschwerden wende dich bitte an einen Arzt/eine Ärztin oder einen Therapeuten/eine Therapeutin.





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